
Es war einmal ein Esel, der war alt geworden und konnte die schweren Säcke nicht mehr tragen. „Dann gehe ich eben nach Bremen und werde Stadtmusikant!“, beschloss er. „I-aah!“ Das klang doch schon fast wie ein Lied.
Unterwegs traf er einen müden Jagdhund. „Komm mit nach Bremen“, sagte der Esel, „du bellst den Takt!“ Dann fanden sie eine Katze, die nicht mehr Mäuse fangen mochte. „Du singst die hohen Töne!“ Und zuletzt kam ein Hahn dazu, der krähte, so laut er konnte. Die Band war komplett.
Doch Bremen war weit, und es wurde dunkel. Da sahen sie ein Licht zwischen den Bäumen: ein kleines Haus. Der Esel schaute durchs Fenster. Drinnen saßen Räuber an einem reich gedeckten Tisch! „Hm“, flüsterte der Esel, „ich hätte da eine Idee …“

Der Hund stieg auf den Esel, die Katze auf den Hund, der Hahn ganz oben — und dann machten sie ihre Musik: I-aah! Wau-wau! Miau! Kikeriki! Alles auf einmal und so laut, dass die Fensterscheiben klirrten. Die Räuber dachten, ein Ungeheuer käme — und rannten davon, so schnell die Beine trugen.
Die vier Freunde setzten sich an den Tisch und aßen sich satt. Dann suchte sich jeder sein Schlafplätzchen: der Esel im Hof, der Hund hinter der Tür, die Katze am warmen Ofen und der Hahn oben auf dem Dachbalken. Und sie schliefen tief und fest.
Das Häuschen gefiel ihnen so gut, dass sie beschlossen zu bleiben. Nach Bremen kamen sie nie — aber das machte gar nichts. Denn Musik kann man überall machen, wenn man nur die richtigen Freunde hat.


