
Es war ein warmer Sommerabend in Akşehir. Die Grillen zirpten im Gras. Die Luft roch nach Feigen und warmem Stein. Nasreddin Hodscha nahm seinen Eimer. Er ging in den Hof zum alten Steinbrunnen. Sein kleiner grauer Esel hatte nämlich Durst. „Gleich bekommst du frisches Wasser, mein Freund“, sagte Nasreddin. Der Esel wackelte mit den Ohren. „I-aah!“, machte er.

Nasreddin beugte sich über den Brunnenrand. Er schaute hinunter in die Tiefe. Da hielt er die Luft an. Unten im Wasser lag der Mond! Rund und silbern glänzte er. „Eyvah! Ay kuyuya düşmüş!“, rief Nasreddin. „Oje! Der Mond ist in den Brunnen gefallen!“ Der Esel spitzte die Ohren. Nasreddin schaute noch einmal hin. Kein Zweifel: Da unten schwamm der Mond.
Mitmachen: Ruft gemeinsam: „Oje! Der Mond ist in den Brunnen gefallen!“

„Was machen wir nur ohne den Mond?“, sagte Nasreddin. „Wer leuchtet den Reisenden auf der Straße? Wie finden die Kinder nachts nach Hause?“ Da klapperte das Hoftor. Elif und Can von nebenan schauten herein. „Was ist los, Hodscha?“, fragte Elif. Nasreddin zeigte in den Brunnen. „Oje! Der Mond ist in den Brunnen gefallen!“ Die Kinder blickten hinunter. Can machte große Augen. „Wir helfen dir!“, rief er.

Can holte ein langes Seil. Elif brachte einen Haken und die Laterne. Nasreddin band den Haken ans Seil. Dann ließ er ihn langsam hinunter. Plitsch! „Etwas mehr nach links“, sagte Elif. „Nein, nach rechts!“, rief Can. „Der Mond wackelt doch!“ „Kinder“, sagte Nasreddin, „der Mond ist rund. Er ist überall ein bisschen.“ Er rührte im Wasser herum. Platsch, plitsch, platsch.
Mitmachen: Macht zusammen die Wassergeräusche: Plitsch, platsch, plitsch!

Auf einmal machte es: Klonk! Der Haken saß fest. Er hatte sich an einem Stein verhakt. Aber das wusste Nasreddin nicht. „Ich hab ihn!“, rief er. „Ich hab den Mond am Haken!“ Er zog am Seil. Er zog und zog und zog. „Der Mond ist schwer!“, keuchte Nasreddin. Elif und Can packten seinen Mantel. Hau ruck! Hau ruck! Alle drei zogen mit aller Kraft.
Mitmachen: Zieht mit und ruft laut: „Hau ruck! Hau ruck!“

Plötzlich rutschte der Haken vom Stein ab. Das Seil wurde ganz leicht. Und – plumps! – fielen alle drei nach hinten. Nasreddin landete im weichen Gras. Elif landete neben ihm. Can kugelte einmal herum, wie ein Igel. Keiner hatte sich wehgetan. Sie lagen da und schnauften. Dann fing Can an zu kichern. Elif lachte mit. Und Nasreddin lachte so laut, dass der Esel „I-aah!“ rief.

Nasreddin lag auf dem Rücken. Er schaute hinauf in den Himmel. Und da oben, hoch über Akşehir, schien der Mond. Rund und silbern und hell. „Oh, dem Himmel sei Dank!“, sagte Nasreddin stolz. „Wir haben ihn gerade noch rechtzeitig herausgezogen!“ Elif und Can sahen sich an. Sie hielten sich die Hände vor den Mund. Und sie kicherten und kicherten. Denn sie wussten es besser. Und du weißt es bestimmt auch.

Nasreddin schöpfte frisches Wasser aus dem Brunnen. Der kleine graue Esel trank und trank. Schlürf, schlürf. Dann gingen Elif und Can nach Hause. Der Mond leuchtete ihnen den Weg. In Akşehir wurde es still. Die Grillen zirpten leise. Silbernes Licht lag auf den Dächern. Nasreddin schaute noch einmal zum Himmel. Er zwinkerte dem Mond zu. „Bleib heute Nacht schön da oben“, flüsterte er.

