
Es war einmal ein Mädchen in der Stadt, das hieß Ella. Sie war sechs Jahre alt. Sie wohnte mit Mama ganz oben in einem alten Haus. Mama arbeitete nachts im Krankenhaus. Es war Ende des Monats. Im Kühlschrank lagen nur noch ein Brotkanten und eine halbe Zitrone. Keiner jammerte. Aber Ellas Bauch grummelte leise.

Am Samstag ging Ella mit Mama auf den Wochenmarkt. Da riss einer alten Frau die Einkaufstasche. Plumps! Die Äpfel kullerten überall hin. Ella krabbelte unter die Marktstände. Sie sammelte jeden einzelnen Apfel auf, auch den ganz hinten bei den Kartoffeln. Die alte Frau sah sie lange an. Es war, als wüsste sie schon alles.

Dann schenkte sie Ella ein kleines, altes, blaues Töpfchen. „Sag ›Töpfchen, koch!‹, dann kocht es süßen Hirsebrei. Und sag ›Töpfchen, steh!‹, dann hört es auf.“ Ella staunte. „Hört das auf Sprache? Wie der Lautsprecher bei meinem Freund?“ Die alte Frau lachte. „Das Töpfchen hört schon auf Worte, da gab es noch gar keinen Strom.“
Mitmachen: Sprecht die beiden Zauberwörter zusammen nach: „Töpfchen, koch!“ und „Töpfchen, steh!“

Zu Hause stellte Ella das Töpfchen auf den Herd. Mama schaute neugierig zu. Ella rief: „Töpfchen, koch!“ Blubb, blubb! Süßer Hirsebrei stieg im Töpfchen hoch. Er duftete nach Zimt. „Töpfchen, steh!“, sagte Ella. Und es hörte auf. Ella und Mama aßen, bis sie satt waren. Sie lachten mit vollen Backen. Von nun an hatten sie nie mehr Hunger.

Eines Nachmittags war Ella beim Schwimmkurs. Mama kam von einer langen Nachtschicht heim. Sie war müde und hungrig. „Töpfchen, koch!“, sagte sie. Mama aß sich satt. Doch ihr müder Kopf fand das Wort nicht mehr. „Töpfchen, stopp! Töpfchen, aus! Töpfchen, Pause!“ „Töpfchen, ausschalten! Bitte, liebes Töpfchen, genug!“ Aber das Töpfchen blubberte immer weiter.
Mitmachen: Weißt du das richtige Wort? Hilf Mama und ruf es ganz laut!

Der Brei stieg über den Rand, über den Herd, durch die Küche. Er quoll zur Wohnungstür hinaus. Dann ging es die Treppe hinunter, Stufe für Stufe. Blubb, blubb! Er floss an den Türen der Nachbarn vorbei. Er schob sich aus der Haustür auf den Gehweg. Um die Fahrräder herum. Das ganze Viertel duftete nach Zimt.
Mitmachen: Lass dein Kind den Brei die Treppe hinunterblubbern: Blubb, blubb, blubb!

Ein warmer Breifluss floss die Straße entlang bis zur Haltestelle. Ding-ding! Die Straßenbahn musste halten. Nachbarn lehnten aus den Fenstern. Ein Hund schleckte fröhlich. Nur noch eine Straße fehlte bis zum Markt. Da kam Ella vom Schwimmen, die Haare noch nass. Sie watete bis zur Haustür. Laut und deutlich rief sie: „Töpfchen, steh!“ Und das Töpfchen stand still.

Wer nach Hause wollte, der musste sich durchessen. Die Nachbarn kamen mit Löffeln. Herr Yılmaz, Frau Nowak mit Baby, der Student. Früher hatten sie sich nur zugenickt. Jetzt aßen sie zusammen auf den Stufen und lachten. Mama bekam eine Umarmung und eine Decke auf dem Sofa. Nachts stand das Töpfchen still im Regal. Und das ganze Haus kannte die Zauberwörter.


