
Es war einmal ein Schuster in einer kleinen Stadt mit Fachwerkhäusern. Er und seine Frau waren sehr arm geworden. Dabei hatten sie gar nichts falsch gemacht. Nur noch Leder für ein einziges Paar Schuhe war übrig. Draußen lag Schnee, bald war Weihnachten. Am Abend schnitt der Schuster das Leder zu. Er legte es auf die Werkbank. „Gute Nacht“, sagte er leise. Dann ging er ruhig zu Bett.

Am Morgen rieb sich der Schuster die Augen. Da standen die Schuhe auf der Werkbank. Ganz fertig! Er nahm sie in die Hand. Kein Stich war falsch, nicht ein einziger. „Frau, komm schnell!“, rief er. Bald kam ein Kunde in die Werkstatt. Die Schuhe gefielen ihm so gut, dass er mehr bezahlte als sonst. Nun konnte der Schuster Leder für zwei Paar kaufen.

Am Abend schnitt er zwei Paar zu. Am Morgen waren die Schuhe fertig. In der nächsten Nacht waren es schon vier Paar. Abends schnitt er zu, morgens standen die Schuhe da. Abends schnitt er zu, morgens standen die Schuhe da. Wer da wohl half? Die Leute kauften gern. Bald hatten der Schuster und seine Frau genug zum Leben. Sonntags gab es sogar wieder Kuchen.
Mitmachen: Fragt zusammen ganz leise: Wer hilft da wohl in der Nacht?

Eines Abends, kurz vor Weihnachten, sah die Frau ihren Mann an. „Wollen wir nicht heute Nacht aufbleiben und sehen, wer uns so hilft?“ „Ja“, flüsterte der Schuster. „Das will ich auch wissen.“ Sie zündeten eine Kerze an. Dann versteckten sie sich in der Ecke hinter den Mänteln. Nur ihre Nasenspitzen schauten hervor. Sie warteten mucksmäuschenstill.

Um Mitternacht ging leise die Tür auf. Herein huschten zwei winzige Männlein. Sie waren barfuß und trugen nur dünne, zerrissene Hemdchen. Sie zitterten vor Kälte. Flink setzten sie sich an die Werkbank. Sie stachen, nähten und klopften. Tipp, tapp, Stich um Stich! Tipp, tapp, Stich um Stich! Der Schuster traute seinen Augen kaum. Als alles fertig war, sprangen die Männlein schnell davon.
Mitmachen: Klopft mit dem Finger auf die Decke und sprecht mit: Tipp, tapp, Stich um Stich!

Am Morgen sagte die Frau: „Die kleinen Männer haben uns reich gemacht. Wir wollen ihnen auch eine Freude machen. Sie frieren ja!“ Sie nähte Hemdchen, Röckchen, Westen und Höschen. Sie strickte warme Strümpfe. Der Schuster machte zwei Paar winzige Schühchen. Tipp, tapp, Stich um Stich – jetzt nähten sie selbst. Am Heiligen Abend legten sie die Geschenke auf die Werkbank. Diesmal lag kein Leder dort. Dann versteckten sie sich wieder.
Mitmachen: Rate mal: Was werden die Männlein wohl tun, wenn sie die Geschenke finden?

Um Mitternacht huschten die Männlein herein. Sie wollten gleich an die Arbeit. Doch da lag kein Leder, da lagen Kleider! Erst staunten sie. Dann jubelten sie. Schnell, schnell zogen sie alles an und sangen: „Sind wir nicht Knaben glatt und fein? Was sollen wir länger Schuster sein!“ Sie hüpften über Stühle und Bänke. Sie tanzten im Kreis. Und dann tanzten sie zur Tür hinaus.

Die Wichtelmänner kamen nie wieder. Aber dem Schuster und seiner Frau ging es gut, solange sie lebten. Draußen fiel leise der Schnee. Im Fenster brannte eine Kerze. Der Schuster und seine Frau saßen beisammen und lächelten sich an. Und vielleicht tanzen irgendwo im verschneiten Wald noch heute zwei kleine Männlein. Sie tragen warme Kleider und warme Schuhe. Und sie frieren nie mehr.





